|
Die Hanse
Gratis Newsletter !
Der Schultreff-Newsletter informiert Dich stets über neue Arbeiten und mehr rund um Schultreff.
Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.
|
|
- Wirtschaft in der nordeuropäischen Hemisphäre
vor Entstehung der Hanse
Im Zuge der Völkerwanderung
Germanenstämme ins römische Reich ein. Der Handel geht im
Mittelmeerraum zurück, zumal auch der Islam sich dort festsetzte. Es
entstehen zwei unabhängige Wirtschaftsräume – der östliche
und der westliche Mittelmeerraum. Handel zwischen den Kulturen fand eigentlich
nur im adriatischen Meer und in der Ägäis statt. Die italienischen
Städte richten ihre Handelsbeziehungen nach Norden neu aus. Eine
Ausweichmöglichkeit war die Handelsroute über Donau von Gallien nach
Byzanz und umgekehrt. Diese Route konnte aber nur bis zum Erstarken der Magyaren
benutzt werden.
Schon in der vorhansischen Zeit gab es
regen Handel entlang Nordeuropas Küsten, der hauptsächlich von
Friesen, Flamen, Skandinaviern, Balten und Slawen betrieben wurde. Der Handel
wurde größtenteils über See mit kleinen bis kleinsten Schiffen
abgewickelt; Wikinger nutzen oft das Gokstadschiff( s. Anhang A). Deutsche
Kaufleute waren an diesem Handel noch nicht beteiligt, da ihr Territorium noch
nicht die Nord- bzw. Ostseeküste erreichte. Schweden und Normannen
siedelten in Skandinavien, Dänen auf Jütland und slawische Stämme
an der Ostseeküste von Holstein bis nach Samland. Erster Handel zwischen
den Stämmen fand statt aufgrund der Eroberungszüge der Wikinger auf
den britischen Inseln, nach Frankreich und ins Mittelmeer, die allerdings auch
Handelsinteressen offenbarten. Zeugnis dieser Aktivitäten ist u. a. die
Stadt Haithabu, die in der Nähe der heutigen Stadt Schleswig im Bundesland
Schleswig-Holstein gelegen haben dürfte. Überhaupt hat keiner der
wikingischen „vigs“ überlebt. Gründe hierfür
könnten sein, daß die „vigs“ keine bedeutende Fluchtburg
hatten oder das Fehlen großer Herrschaftssitze wie Burgen, Klöster
oder die Zerstörung durch die Slawen. Nach zahlreichen Plünderungen
und Belagerungen durch slawische Völker im 10. und 11. Jahrhundert trat
Schleswig schließlich mit Ausklang des 11. Jahrhunderts an seine Stelle.
Ebenso bedeutsam ist die Insel Gotland, zentral in der Ostsee gelegen, die jeder
Händler ansteuerte auf seinem Weg nach Nowgorod am Ilmensee. Ein weiteres
Zeugnis für die Wichtigkeit dieser Handelsaktivitäten sind die
zahlreichen Funde von orientalischen Münzen auf der Insel Gotland und in
Skandinavien. Kaufleute schlossen sich häufig zu Hansen zusammen, die im
Konvoi zu ihrem Ziel fuhren, um sich gegenseitig Schutz vor Piraterie zu
gewährleisten( Hanse bedeutet im Mittelhochdeutschem Genossenschaft; s.
etymologisches Wörterbuch) - ein Vorläufer der späteren
Kaufmannshanse.
- Entstehung der
Kaufmannshanse
- Einfluß deutscher Kaufleute im Handelswesen vor
der Gründung Lübecks
Als deutsche Händler versuchten im
nordeuropäischen Handel Fuß zu fassen, trafen sie auf
hartnäckige Konkurrenz. Die Skandinavier reisten auf den Routen ihrer
Vorfahren. Kölner Händler hatten sich in England zahlreiche
Privilegien gesichert, u.a. das Recht im ganzen Land Waren zu vertreiben, und
ein eigenes Handelshaus, die Gildehalle, erworben, nachdem ihnen König
Heinrich II. das Privileg verlieh, permanent in seinem Königreich anwesend
zu sein(um 1130). Zudem wurde das Erscheinen der Deutschen in einen allgemeinen
Wirtschaftsboom gebettet; zu sehen ist dies besonders in Flandern, wo das
Gewerbe in den Städten einen sehr großen Aufschwung nahm,
insbesondere das Tuchgewerbe. Die slawischen Händler wurden fast ganz aus
dem Geschäft gedrängt, denn im Zuge der Ostkolonisierung verloren sie
ihre Siedlungsplätze an der Ostseeküste. Russen und Sachsen hatten
keinen großen Anteil am Handel in vorhansischer Zeit. Deutsche
Händler besaßen allerdings einen entscheidenden Vorteil
gegenüber ihren Konkurrenten: Sie konnten sich auf eine überlegene
Schiffsbautechnik stützen, denn ab Beginn des 13. Jahrhunderts ist
anzunehmen, daß die Koggen auf den Meeren auftauchten.
- Gründung Lübecks
1159
Was die Gründungsgeschichte der Stadt
Lübeck angeht, sind sich die Historiker anscheinend nicht ganz einig. Es
besteht Einigkeit darüber, daß an der Travemündung eine Stadt
mit Namen Lübeck seit Mitte des 11. Jahrhunderts bestand, und das diese
Hauptstadt des Obotritenreiches offenbar in heftiger Konkurrenz zu Schleswig
stand. Doch spätestens beim Datum des Unterganges der Stadt scheiden sich
die Geister. Es werden einmal 1138 genannt und kein Datum des Wiederaufbaus der
alten Stadt Lübecks, auf der anderen Seite jedoch 1143 als Jahr des
Wiederaufbaus angegeben. Bei der Belagerung durch Niklot, im Jahre 1147
Obotritenfürst, soll einerseits die Stadt besiegt andererseits jedoch
siegreich aus der Schlacht hervorgegangen sein - Widersprüche über
Widersprüche( vgl. hierzu Johannes Schildhauer, Die Hanse - Geschichte und
Kultur, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a. M. 1988 auf der Seite 15 und
Dieter Zimmerling, Die Hanse, Econ Verlag, Düsseldorf 1976 im Kapitel
Markenname „Lübeck“ auf Seite 35/36). Die Stadt Lübeck
wurde 1159 noch einmal gegründet und mit aller erdenklicher Starthilfe
für einen zügigen Wiederaufbau durch Herzog Heinrich von Sachsen
ausgestattet. Die Stadt erhielt die ehrenvollsten Recht einer Stadt. Das hatte
verschiedene Konsequenzen. Die Lübecker Kaufleute wurden von allen
Zöllen in Sachsen befreit, sie erlaubten die Anfänge einer
Selbstverwaltung, überall im Herzogtum galt das Lübecker Recht
für sie: „Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag.“ Die
Obotriten, die Lübeck in seiner Entstehung so manche Probleme bereiteten,
wurden 1160 mit Hilfe von König Waldemar I. von Dänemark geschlagen.
1161 ( 1163 ) schloß o.g. Herzog Heinrich einen Kontrakt mit den
Gotländern, welcher beinhaltete, daß Lübecker Händler auf
Gotland ungehindert und zollfrei handeln dürfen und umgekehrt. Die nach
Gotland reisenden Deutschen schließen sich zur „Genossenschaft der
Gotland besuchenden Deutschen zusammen“ - quasi die Ur-Hanse, in der noch
der Händler oder besser gesagt seine Genossenschaft das Wort hatte und
nicht der Rat der Stadt! 1226 überträgt Friedrich II. der Stadt
Lübeck die Würde einer Reichsstadt. Souveräne können damit
keine Besitzansprüche mehr stellen( s. Anhang C). Später wird
Lübeck zu dem wendischen Drittel der Hanse gehören, da einstmals die
Wenden auf ihrem jetzigen Territorium lebten.
- Ausdehnung des Machtbereiches der Lübecker
Kaufleute
Der Lübecker Kaufmann suchte immer
nach Geschäften, die ihm hohe Gewinne abwarfen. Es bot sich das Import -
Export Geschäft an. Anlaufpunkt im Osten war Nowgorod. Es gab zwei
Möglichkeiten nach Nowgorod zu gelangen; einen traditionellen Weg über
Wasser, der, einst von den Wikingern entdeckt, aber einige Hindernisse aufwarf.
Zuerst wurde nach Gotland gesegelt, um dort Proviant aufzunehmen und Handel zu
treiben, dann fuhr man weiter zum Ladogasee, den man über die Newa
erreichte und über diesen mußte man zur Mündung des Wolchow
fahren, an dem Nowgorod lag( in seiner Blütezeit 25000 bis 30000
Einwohner). Unglücklicherweise wies er einige Stromschnellen auf, die erst
gefahrvoll gemeistert werden mußten. Der andere Weg lief auf dem Landweg
von Riga über kleine deutsche Orte nach Nowgorod. Deutsche Kaufleute
errichteten in Nowgorod zudem ein eigenes Haus für ihre
Handelsaktivitäten, den Peterhof, dessen Existenz seit 1205 als belegt
gilt. Vorsteher dieses Hauses war der gewählte Älterman. Nach der
Gründung Rigas 1201 versuchte man mit Schlitten nach Nowgorod zu gelangen.
Der Weg war aber immer gefährlich aufgrund der zahlreichen
Überfälle durch Litauer. Populär wurde der Landweg zudem nie.
Nowgorod bot alle Naturprodukte, die das gewaltige Hinterland zu bieten hatte,
als da wären: Pelze, Holz, Asche, Erz. Im Gegenzug brachte man verarbeitete
Produkte aus dem Westen mit nach Nowgorod: Tuch, Metallerzeugnisse. Allgemein
ist festzuhalten, daß sich die Handelssphären des Lübecker
Kaufmannes im Zuge der Ostchristianisierung und Kolonisierung ausbreitete.
Während im 12. Jahrhundert hauptsächlich der Handel über Nowgorod
und Gotland abgewickelt wurde, standen im 13. Jahrhundert auch die im Zuge der
Ostbesiedelung gegründeten Städte zur Verfügung; auf der Insel
Gotland wird die Stadt Visby gegründet(1225) und der Heringsfang vor
Schonen sind die neuen Einnahmequellen. Im Osten hatte es die Kaufmannshanse
leichter als im Westen, wo sie auf härtere Konkurrenten traf, die sich
jeweils etabliert und Rechte zusichern haben lassen. An Schweden waren für
die Lübecker der Heringsfang vor Schonen und Erz interessant. Schnell
hatten die Lübecker im Heringsgeschäft eine Monopolstellung, weil sie
es verstanden, den Fisch zu pökeln und ihn damit in sehr großen
Massen zu verkaufen. Immer zu den Fangzeiten des Herings( im Sommer) gab es auch
die Schoneschen Messen, zuerst nur eine Art Markt, wo es Hering gab, doch im
Laufe des 13. Jahrhunderts wurden die Messen immer größer und es
geschah, daß man sogar Engländer und Niederländer antraf und es
alles zu kaufen gab. Bedeutende Erzausfuhrhäfen waren Kalmar und Seit ihrer
Gründung 1251 auch Stockholm. Interessant ist, daß alle deutschen
Händler, die sich in Schweden niederlassen, auch als schwedische
Bürger akzeptiert werden sollten. So will es der schwedische Reichsregent
Birger Jarl, der mit dem Prinzip der Verleihung von Handelsprivilegien an
ausländische Händler um die eigene Wirtschaft anzukurbeln, voll im
Trend der Zeit liegt( 1251). So ist der Stockholmar Stadtrat z.B. aus je zur
Hälfte Schweden und Deutschen zusammengesetzt, obwohl die Einwohnerzahl der
Deutschen in Stockholm nie die der Schweden erreichte. Man kann daraus ersehen,
welche Bedeutung die deutschen Patrizier für die schwedische Politik und
Wirtschaft hatten.
Auch Norwegen bot den Lübeckern ein
begehrtes Handelsobjekt, den Stockfisch. Doch sie hatten es hier nicht so
einfach sich ihre Privilegien zu sichern wie in Schweden, wo sie ihnen geradezu
in den Schoß gefallen sind. Die norwegische Bevölkerung und
zeitweilig auch das Herrscherhaus waren deutschfeindlicher eingestellt. Auch
trafen hier die Lübecker auf ihre Landsleute, auf Bremer Kaufleute, die
sich im Stockfischhandel schon profiliert hatten. So dauerte es immerhin zehn
Jahre, bis Lübeck das Handelsmonopol für Stockfisch innehatte. Das
Lübeck es immerhin doch schaffte, lag an der latenten Getreideknappheit der
Norweger.
Seit Beginn des 13. Jahrhunderts machten
Lübecker Händler auch Handel mit England. Sie wurden hier Osterlinge
genannt, aufgrund ihrer Herkunft aus dem Osten. Köln hatte sich
traditionell beim englischen Monarchen kaufmännische Rechte erschafft. Aber
auch die Bremer und Hamburger waren nicht erfreut über den neuen
Konkurrenten auf dem englischen Markt. Lübeck hatte aber einen Trumpf im
Ärmel. Pelze aus Rußland waren der Knüller überhaupt, und
sie konnten sie in großen Mengen anbieten, was ihnen die Gunst des
englischen Herrscherhauses und damit 1235 Privilegien( Schutz des Königs,
Zollfreiheit, Recht des Handelns im ganzen Land) einbrachte. 1266 bekamen die
Hamburger wie auch die Lübecker das Recht zugestanden in England Hansen zu
gründen. Zusammen mit Köln, wurde 1281 ein Dachverband gegründet,
die deutsche Hanse, um zu kooperieren und sich nicht gegenseitig zu
schädigen, es wurde aber nicht fusioniert. An der Spitze stand wie in
Nowgorod ein Älterman. Als Köln 1324 den beiden anderen Hansen den
Zutritt zur Gildehalle verweigerte, zogen sie in den nahen Stalhof
um.
Etwa zur gleichen Zeit finden sich auch
Lübecker Händler in Flandern ein. Dort erlebt gerade Brügge
aufgrund seiner exzellenten Seeverbindung einen rasanten Aufschwung. Hier gibt
es auch keine Rivalitäten zwischen den einzelnen deutschen Städten, da
keiner irgendwelche Rechte zu verteidigen hatte. Die Lübecker boten hier
Hauptsächlich Naturprodukte aus dem Osten an, insbesondere Getreide, da
Flandern zu jener Zeit ein Landstrich mit einer verhältnismäßig
hohen Bevölkerungsanzahl war, und die Versorgung der Bevölkerung mit
einheimischen Vorräten war insbesondere in Perioden mit schlechten oder
mäßigen Ernten ein sehr großes Problem. Auch hier konnte sich
die Lübecker Hanse zahlreiche profitable Vorrechte
sichern.
Zusammenfassend ergibt sich nun ein
imposantes Bild davon, in welch rasantem Tempo die Kaufleute aus Lübeck
ausgeschwärmt sind, um sich beim jeweiligen Herrscher Rechte zusichern zu
lassen, und dann gewinnbringenden Handel zu treiben. Gewährleistet wurde
dies durch die überlegene Schiffsbautechnik, die überlegene
kaufmännische Organisation, was den Zusammenschluß zu
Genossenschaften und den Vorteil der Kontore als Lager- und
Verwaltungshäuser meint, und schließlich durch den rationalisierten
Städtebau. Zudem beherrschen die Kaufleute das Angebot-Nachfrage-Prinzip
exzellent.
- Herausbildung der
Städtehanse
Bisher vertrat die gotländische
Genossenschaft die lübischen Händler. Doch dies war nicht mehr
zeitgemäß, da die zu Vertretenden sich über die gesamte
nördliche Hemisphäre ausgebreitet hatten. Zudem lagen Visby und
Gotland nicht mehr unbedingt an einer Haupthandelsader. Der Handel hatte sich
mehr nach Schonen und Flandern verlagert. Die Vertreter der wendischen
Städte legten fest, daß die gotländische Genossenschaft keine
Entscheidungsgewalt mehr hat, sondern die Städte ihrer selbst mit ihrem
eigenem Siegel. Dies ist die eine Wurzel der Städtehanse. Die andere sind
die Städtebünde der Heimatstädte, die gegründet wurden, um
sich vor allzu machtgierigen Fürsten zu schützen, die in
Norddeutschland leichtes Spiel haben, da sich das Kaisertum unter Friedrich II.
hauptsächlich mit Italien beschäftigt. Zwischen 1254-1273 gab es gar
keinen Kaiser, der die Rechte der Städte hätte schützen
können( sog. Interregnum). Die rheinischen Städte schlossen sich 1256
zum rheinischen Städtebund zusammen, 1246 wurden der westfälische und
sächsische Bund gegründet, um jeweils gemeinsame Interessen zu
schützen. Das wichtigste Bündnis aber war das zwischen den beiden
wendischen Städten Hamburg und Lübeck, galt es doch den Warentransport
von Lübeck nach Hamburg und umgekehrt zu schützen, denn der Seeweg
durch das Kattegat und Skagerrak wurde erst im 14. Jahrhundert zögernd
gewählt. Dies waren zwar nur lokale Städtebünde, doch vertraten
sie auch die Interessen ihrer Kaufleute in der Ferne.
Als erste Stadt bekam Brügge diese
Veränderung zu spüren. Die Hanse sah nämlich ihre Privilegien
gefährdet, und verhängte 1282 ein Handelsembargo gegen Brügge.
Brügge erlag dem Druck der Hanse und stand ihr alle Rechte wieder zu, ein
später sehr beliebtes Mittel der Hanse.
Das letzte Kriterium der
Selbständigkeit der Kaufmannshansen war die Macht über ihre Kontore in
London, Brügge, Nowgorod und Bergen. So setzte 1361 eine
Städtegesandtschaft aus Lübeck und Visby durch, daß alle innen-
wie außenpolitischen Fragen des Nowgoroder Kontors ab jetzt von den
Städten beantwortet werden sollen. In Bergen galt dieses schon länger.
Nur der Stalhof hatte sich bis jetzt dem Einfluß der Städte entziehen
können. Doch im Laufe des Hundertjährigen Krieges( 1337-1453)
verlangte der englische König mehr und mehr Geld von den Kaufleuten. In
ihrer Not wanden sie sich 1374 an die Städte. Eine Abordnung setzte beim
König eine Lösung des Problems durch, doch der Kontor wurde der Hanse
unterstellt.
- Inneres
Die Einteilung in Herkunftsdrittel
erscheint erstmals 1347 in Brügge. Das lübisch -sächsische
Drittel mit seinem Hauptort Lübeck bildete sicherlich die stärkste
Fraktion. Die beiden anderen Drittel sind das gotländisch -
preußische und das westfälisch - livländische, die zusammen etwa
dasselbe Wirtschaftspotential wie das erste Drittel gehabt haben dürften.
Weil der Flandernhandel so bedeutsam für die Hanse war, betrachtete man
diese Einteilung bald als allgemeinverbindlich. 1358 schlossen sich die
Städte zum Bund „von der dudeschen hanse „ zusammen. 1418
beauftragt der Hansetag Lübeck mit der Geschäftsführung des
Bundes, die Stadt wurde Vorort. Der Hansetag war das Beschlußgremium des
Bundes. Diese Hauptversammlung der Mitgliedsstädte entschied über
Kriegserklärungen, Friedensschlüsse, Ratifizierung von
völkerrechtlichen Verträgen, schlichtete aber auch Streit zwischen
Mitgliedern. Allerdings gab es keine festgesetzten Termine, wann ein Hansetag
abzuhalten ist oder nicht. Auch der Tagungsort variierte. Lübeck schrieb
die zu beteiligen Städte einfach an, unterbreitete ihnen damit den Termin.
Entweder eine Delegation reiste an oder nicht. Sehr oft wurden Hansetage auch
verschoben, da Reisezeiten nicht genau zu bestimmen waren aufgrund
unvorhersehbarer Dinge wie Raubüberfällen, vielleicht war der Stadt
die Entsendung einer Delegation auch zu teuer. Begann dann nun endlich die
Tagung, wurden Beschlüsse mehrheitlich gefaßt, die Minderheit hatte
sich zu fügen, was sie aber selten tat. Auch reisten die Unterhändler
einer Stadt gerne ab, um einer Abstimmung zu entgehen. Beschlüsse der
Hansetage werden Hanserezesse genannt. Die Umsetzung der Beschlüsse war
Sache der Städte. Außer den allgemeinen Hansetagen wurden noch
sogenannte Dritteltage abgehalten, bei denen nur die Städte des Drittels
anwesend waren.
Eine Stadt konnte nur dann Mitglied der
Hanse werden, wenn sie einen Antrag auf einem Hansetag stellte. Genauso konnte
der Hansetag die Verhansung beschließen, was den Verlust der hansischen
Privilegien und den Ausschluß aus der Hanse für die Stadt zur Folge
hatte. Hansische Privilegien galten nur für die Kaufleute, die das
Bürgerrecht einer Hansestadt hatten. Es gab aber auch Ausnahmen, was die
Mitglieder angeht. So war ein Fürst Mitglied der Hanse, der Hochmeister des
Deutschen Ordens. Besonders in den Kriegen gegen Dänemark sollte dies von
Vorteil für die Hanse sein. Zur Vollständigkeit soll auch noch die
Bauernrepublik Dithmarschen erwähnt werden, ebenfalls Bundesgenosse von
1468-1568. Sie stand in ständiger Feindschaft zu Dänemark, schlug u.a.
ein dänisches Heer 1500 bei Hemminstedt.
Die sächsische Stadt Braunschweig
wollte sich mit der seit 1347 bestehenden Drittelung nicht zufrieden geben. Es
beanspruchte ein eigenes Drittel. Ähnliches forderte auch Danzig. Da
Lübecks Ansehen am Ende des 15. Jahrhunderts nicht mehr so groß war,
mußte es nachgeben, und der Hansetag beschloß eine Neuaufteilung in
vier Quartiere: das preußisch - livländische, dem Danzig vorstand,
das sächsische mit der Hauptstadt Braunschweig, das lübische mit
Lübeck und das westfälische Viertel mit Dortmund und Köln.
- außenpolitische Kontroversen der Hanse im 14.
Jahrhundert
- Erich VI. Menved
Schon zum Ende des 13. Jahrhunderts
versuchten die Fürsten die Macht der freien Reichsstädte
einzuschränken, um von ihrem Reichtum zu profitieren. Doch anstatt alle an
einem Strang zu ziehen, bekriegten sie sich auch unter sich ( z.B. Markgraf von
Brandenburg gegen Fürst von Mecklenburg). “Alle hundert Jahre hatte
sich die Gemeinschaft [ Hanse] des manchmal mehr, manchmal weniger
mächtigen Nachbarn aus dem Norden [ Dänemark] zu erwehren, der seine
Expansionsgelüste (...) vornehmlich in (...) hansische Kerngebiete
entfaltete.“ Nun bot Erich VI. von Dänemark dem Markgraf
von Brandenburg seine Hilfe an. Im Gegenzug solle ihm die Stadt Rostock
ausgeliefert werden, auf das er sie als Lehen zurückgeben kann. Der
Markgraf war einverstanden, und so geschah es. Als Lübeck in einen
aussichtslosen Kampf gegen die holsteinischen Grafen geriet, rief es Erich VI.
um Hilfe an und verlor damit sein Gesicht vor der Hanse und vor seinen
Bündnispartnern, die ihm nicht helfen wollten. Erich vermittelte
erfolgreich. Als Gegenleistung mußte Lübeck ihm eine jährliche
Pension von 750 Mark zahlen. 1308 schlossen die anderen wendischen Städte
ein Verteidigungsbündnis, um gegen die Fürsten besser gewappnet zu
sein. Diesem Bündnis trat Lübeck erst 1310 bei. Sein Ansehen war gegen
null gesunken und es verlor die Vormachtstellung innerhalb der norddeutschen
Städte. Das Schutzbündnis half nicht viel, Wismar und Rostock wurden
belagert und besiegt. Doch wie so oft kommt alles ganz anders, obwohl es bis
jetzt nicht rosig für die Hanse aussieht. „Unbestritten gilt die
Maxime: Eigennutz geht vor Gemeinnutz.“
Lübeck ist das beste Beispiel
dafür( siehe Bündnis von 1310). Doch Erich stirbt 1319. Die
dänische Aristokratie stürzt daraufhin das Land ins Chaos, die Hanse
kann noch mal aufatmen. Auch der deutsche Adel will ein Stück vom Kuchen
haben, und so verleibt sich Graf Gerhard III. von Holstein doch einfach mal das
Herzogtum Schleswig ein. Erst mit Waldemar IV. Atterdag trat 1340 Ruhe im Land
ein. Mit Waldemar schien die Welt wieder in Ordnung, „ doch es war nur die
Ruhe vor dem Sturm.“
- England
Der Anteil des hansischen Handels in
England stieg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an. „
Grundlage dafür war das von König Eduard I. ( 1272-1307) allen
ausländischen Kaufleuten (...) 1303 gewährte Privileg, die
„carta Mercatoria“, (...).“
Mit Beginn des Hundertjährigen Krieges
stiegen die Ausgaben des englischen Hofes in gigantische Höhen. Der Staat
war bald hoch verschuldet. Zahlreiche hansische Kaufleute halfen als Kreditgeber
aus, doch sahen ihr Geld nie wieder.
- Flandern in der Mitte des 14.
Jahrhunderts
Die Piraterie erlebte mit Beginn des
Hundertjährigen Krieges einen lebhaften Aufschwung. Viele raubten nur aus
Profitgier, und überfielen auch Schiffe, die mit dem Konflikt nichts zu tun
hatten. Auch die Landwege nach Flandern waren nicht sicher. Nach dauernden
Verletzungen der Handelsprivilegien durch den Brügger Rate
entschließt der Hansetag 1358 eine Handelssperre gegen Flandern zu
verhängen. Der Kontor zog nach Dordrecht um. Alle Kaufleute sollen Flandern
verlassen und ebenso nach Dordrecht ziehen, die Städte jeglichen Handel
unterlassen, sonst droht der Hansetag mit Verhansung. Hier erleben wir ein
Paradebeispiel hansischer Außenpolitik. Wenn auf diplomatischem Parkett
nichts mehr ging, griff man zum Embargo, und hoffte, daß die boykottierte
Partei irgendwann den Forderungen nachkam. Brügge und Flandern hatten keine
andere Wahl, da sie von den Getreidelieferungen abhängig waren. 1360
kapitulierten sie. Es blieb ihnen nichts weiter übrig, als die hansischen
Rechte zu bestätigen, und teilweise auch zu erweitern. Der Kontor kehrte
daraufhin nach Brügge zurück.
- Waldemar IV.
Atterdag
In Dänemark regierte seit 1340
Waldemar IV. Er schaffte es, den Adel wieder unter Kontrolle zu bringen und den
Staatshaushalt zu stabilisieren, indem er u.a. Estland an den Deutschen Orden
verkaufte. Die Hanse glaubte lange Zeit, die dänischen Expansionszeiten
seien vorbei, doch weit gefehlt. 1360 eroberte er Schonen, das er vor 20 Jahren
an Schweden verloren hatte. Die dort lebenden hansischen Kaufleute waren nun
ständigen Repressalien ausgesetzt, da dänische Kaufleute ihre
Vorrechte nicht länger akzeptieren wollten; „In ihnen wuchs das - an
sich verständliche - Verlangen, die Sonderstellung der hansischen Kaufleute
(...) abzubauen.“ Die Hanse erklärte sich zur Zahlung von 4000 Mark
bereit, um ihre Rechte zu sichern. Doch auch diese Zahlung half nicht.
Inzwischen eroberte Waldemar Gotland und legte Visby, eine der ältesten
Hansestädte, in Schutt und Asche. Der Hansetag in Greifswald beschloß
daraufhin militärische Aktionen gegen Waldemar und natürlich, einen
Handelsboykott, der aber relativ wirkungslos blieb, da die Hanse in
Dänemark auf keinem Gebiet ein Monopol besaß. Auch konnte eine
Koalition bestehend aus dem Herzog von Schleswig, den Grafen aus Holstein,
Magnus von Schweden und Hakon VI. von Norwegen gegen Waldemar ins Leben gerufen
werden. Der Deutsche Orden sagte finanzielle Unterstützung zu. Der Krieg
sollte mit dem Pfundzoll finanziert werden, den jede Stadt
anteilmäßig ihrer Handelskapazität zu entrichten hatte. Es sei
vorher genommen, daß die Zahlungen sehr unregelmäßig waren.
Eine hansische Flotte segelte 1362 nach Kopenhagen, um es zu zerstören,
wurde jedoch aufgrund taktischer Fehler des Anführers, ein Mitglied des
Lübecker Rates, zerstört. Das Ratsmitglied wurde in Lübeck
geköpft. Waldemar wurde nach dieser Niederlage der Hanse wieder aktiv. Er
vermählte seine Tochter Margarete mit Hakon VI., der damit aus der
Koalition ausschied. 1364 wurde Magnus von Schweden vom Adel vom Thron geworfen.
Die Aristokratie ihrerseits setzte Albrecht von Mecklenburg auf den Thron, so
daß die Hanse nicht auch noch diesen Koalitionspartner verlor. Im Frieden
zu Wordinborg 1364 wurden die Streitigkeiten aufs Erste beigelegt. Doch noch
immer klagten die hansischen Schonenhändler über
Privilegienverletzungen. Auf dem Hansetag 1367 zu Köln beschloß man
diesen Mißständen ein Ende zu bereiten. Man gründete die
Kölner Konföderation. Es wurde festgelegt, wieviel Waffen, Truppen,
Schiffe und Geldmittel eine jede Stadt zu zahlen hatte, um mit Waldemar endlich
Schluß zu machen . Ziel des Bündnisses war die Sicherung des Handels
vor feudaler Willkür. Das auch weltliche Fürsten Mitglieder dieses
Kontraktes waren, die nicht mit den Interessen der Hanse konform liefen, schien
nicht weiter zu interessieren. Eine zusammengestellte Streitmacht hatte gute
Erfolge, sie drang schnell nach Norden auf der Insel Jütland vor. Als die
letzte Festung Waldemars gefallen war, mußte er kapitulieren. Im Frieden
von Stralsund 1370 wurde festgelegt, daß vier Festungen im Sund für
15 Jahre an die Hanse fallen sollen, zudem wurden die Handelsvorrechte
bestätigt und die Hanse räumte sich ein Mitspracherecht bei der
nächsten Königswahl ein. 1375 stirbt Waldemar und
hinterläßt zwei Töchter, Ingeborg, die Frau des Heinrich von
Mecklenburg, eines Bruders des schwedischen Königs, und Margarete, die
König Hakon von Norwegen geheiratet hatte. Man votierte für Margaretes
Sohn Olav, da man in einer dänisch - norwegischen Konstellation eine
günstigere Partie sah als in der eines deutschen Fürsten mit Schweden
im Rücken. Die Kölner Konföderation hatte ihren Sinn erfüllt
und wurde 1385 zu Grabe getragen. Ihr Sinn war die Sicherung des Handels, der
war erfüllt, also brauchte man diese Institution nicht mehr, die ohnehin
nur Geld verschlang.
- Die Blütezeit der
Hanse
Als Blütezeit der Hanse wird das
Jahrhundert nach dem Stralsunder Frieden bezeichnet. In ihm erlebte die Hanse
ihren größten Reichtum, man vermochte aber auch die ersten Zeichen
des Auseinanderlebens der Hanse zu sehen. Die Hanse hatte sich wirtschaftliche
Privilegien soweit wie möglich gesichert und Monopole da gebildet, wo
möglich. In Flandern gab es aufgrund des Hundertjährigen Krieges und
der teilweise unfähigen Herrscher zum Ausklang des 14. Jahrhundert
Konfrontationen zwischen Deutschen und Flamen, denn die hansischen Händler
klagten über Privilegsverletzungen und überhöhte
Abgabeforderungen. So entschloß sich der Hansetag 1388 den Kontor wieder
nach Dordrecht zu verlegen, doch die preußischen Städte und der
Deutsche Orden wollten sich mit der Blockade nicht abgeben, so daß man
ihnen Sonderkonditionen zustehen mußte. Ein erstes Anzeichen für das
spätere Auseinanderleben der einzelnen Hansestädte.
In Preußen und auf den Schoneschen
Messen fanden sich immer häufiger auch englische Händler ein. Die
Hanse duldete dies allerdings ab 1370 nicht mehr. Man sperrte die Durchfahrt
durch den Sund für englische Fahrzeuge. Es war klar, daß dies den
englischen Kaufleuten, den „merchant adventures“, nicht gefallen
würde, Sie baten den englischen König um Hilfe bitten, und wiesen ihn
gleichzeitig auf die Mißstände im eigenen Land hin. Ihm bleibt gar
nichts anderes übrig, als ihren Forderungen nachzukommen, und die Vorrechte
der Hanse einzuschränken. So erhöhte er die Stalhofabgaben. Die
Kaufleute des Stalhofes beschweren sich natürlich in Lübeck, doch auch
eine Delegation des Rates, die ohne Zustimmung der preußischen Städte
anreiste, da denen die englischen Handelstätigkeiten gar nicht so ungelegen
waren, denn sie brachten Geld und ermöglichten eine gewisse
Selbständigkeit gegenüber dem Deutschen Orden, der für ein
aggressives Vorgehen gegen England war, kann den König nicht umstimmen. Das
Verhältnis der Hanse und England bleibt das ganze 15. Jahrhundert über
sehr gespannt. Doch nicht nur in England gab es Probleme. Der Nowgoroder Kontor
gab Grund zur Sorge. Schon während des ganzen 14. Jahrhunderts gab es dann
und wann Übergriffe gegen die deutschen Kaufleute. Als 1388 der Flandern -
und der Englandhandel aufgrund o.g. Gründe zum Erliegen kam,
entschloß man sich, auch gleich einen Handelsboykott gegen Nowgorod zu
verhängen. Er dauerte vier Jahre, dann einigten sich die Hanse und die
Russen wieder. Bis zur Zerstörung des Kontors 1494 ging es in Nowgorod dann
relativ ruhig zu.
Für die wendischen Städte war es
wichtig, daß in Skandinavien Ruhe herrschte, da sie aufgrund ihrer
geographischen Lage leicht in Konfrontationen verwickelt werden konnten. Seit
Olav, der Sohn Margaretes, 1387 starb, regierte sie die Königreiche
Norwegen und Dänemark. Ihr Ziel war die Vereinigung der drei
skandinavischen Länder. Dazu führte sie Krieg gegen König
Albrecht von Schweden. 1389 gelang es ihr, Albrecht gefangenzunehmen. Zudem
besetzte sie ganz Schweden mit Ausnahme von Stockholm. Von da an wurde Stockholm
belagert und konnte nur noch von See versorgt werden. Schon seit dem Tode
Waldemars warben Albrecht und Heinrich von Mecklenburg Landsleute an, die
Kaperfahrten gegen Dänemark fahren sollten, um die dänische Wirtschaft
zu schwächen, denn man wollte sein Anrecht auf den Thron Dänemarks
nicht aufgeben, da Albrecht der Sohn einer Tochter Waldemars war. Seit der
Belagerung bat der Herzog seine Untertanen auch Versorgungsfahrten nach
Stockholm zu machen. Bald wurde die Unsitte eingeführt, während dieser
Fahrten auch völlig schuldlose Schiffe zu überfallen, es traf dabei
auch Hanseschiffe. Die Mecklenburger verdienten nicht schlecht an den erworbenen
Waren, denn sie wurden anteilmäßig auf die Mannschaft verteilt.
Allmählich wurden die Vitalienbrüder( von victualien = Lebensmittel)
zur echten Plage, so nannte man die Seeräuber der Ostsee jener Zeit. 1391
eroberten sie sogar die Insel Gotland. Damit gewannen sie einen Stützpunkt,
von dem man seine Unternehmungen starten konnte. Ihr Vorhandensein war nicht
mehr berechtigt seit ihnen 1395 durch einen vorläufigen Friedensvertrag die
Legitimation für ihre Fahrten nach Stockholm fehlte. Die Hanse versuchte
während der ganzen Zeit gegen die Seeräuber vorzugehen, doch alle
Versuche die Piraterie zu unterbinden scheitern an dem Unwillen, Geld für
Kriegsschiffe auszugeben. Erst 1398 machte der Deutschte Orden den Vorschlag,
Gotland zu erobern. Die Hanse war einverstanden. Mit der Eroberung Gotlands
wurde den Vitalienbrüdern in der Ostsee das Wasser abgegraben, sie
flüchteten in die Nordsee. Dort konnten sie, ob der Unerfahrenheit der
hiesigen Machthaber, in den ersten Jahren, mit Hilfe der Ostfriesen, bei denen
sie sich im Winter aufhielten, ungestört wirken. Erst 1401 nahm Hamburg die
Sache in die Hand,und bemannte mehrere Schiffe. Man segelte im Februar, also vor
der normalen Ablegezeit, nach Friesland, und war erfolgreich. Zahlreiche
Gefangene wurden gemacht, u.a. auch Klaus Störtebeker. Sie wurden alle
geköpft( s. Anhang D). Nach und nach wurden auch andere berühmte
Piraten zur Strecke gebracht, z.B. Godecke Michels 1403. Nach und nach nahm die
Bedeutung de Seeräuber ab. Als Margarete 1412 in Flensburg starb, war auch
die militärische Gefahr aus Skandinavien gebannt, denn die Kalmarer Union
zerfiel bald aufgrund der Unfähigkeit der Nachfolger Margaretes, doch
wirtschaftlich sollte Dänemark der Hanse noch große Probleme
bereiten.
- Lübecks innere Probleme und die Konkurrenten im 15.
Jahrhundert
- Lübecks Bürger
revoltieren
„Das Stadtvolk begann seit Mitte des
14. Jahrhunderts zu murren“. Es verfluchte die hohen Steuern, die der Rat,
wegen der Kriege gegen Dänemark, ihnen auferlegt hatte. Außerdem
empörte sich die Bürgerschaft über mangelnden Einfluß in
der Politik. Lübeck war um die Jahrhundertwende bankrott. Der Rat hoffte,
mit einer öffentlichen Erklärung über die Stadtfinanzen, die
Bürger beruhigen zu können. Doch die setzten ihn unter Druck, und
erreichten, daß neben dem patrizischen Rat ein Parlament aus 60
Bürgern etabliert wurde. Bis 1408 verlief alles friedlich, doch dann
forderte das Volk ernste Maßnahmen: eine Verfassungsreform und Beteiligung
an der Ratswahl. Der alte Rat emigrierte, nachdem er den Einfluß des
sechziger Ausschusses nicht mehr aufhalten kann. Die Bürger gründen
einen Neuen Rat mit einer neuen gerechten Wahlordnung, in der Rentner, Kaufleute
und Handwerker gleichberechtigt waren. Der deutsche Kaiser ist ungehalten
über die demokratischen Tendenzen, die sich in Lübeck zeigen, und
verhängt die Reichsacht über die Stadt. Der Hansetag beschließt
daraufhin, Lüneburg bis auf weiteres als Vorort einzusetzen. 1416 tritt der
Neue Rat zurück, da er politisch und wirtschaftlich nicht erfolgreich
agierte. Die alten Ratsherren kehren in die Stadt zurück. Als
Zugeständnis der Bürgerschaft gegenüber nehmen sie fünf
Mitglieder aus dem Neuen Rat in ihre Reihen auf. Jeder erwartete nun ein
Vorgehen gegen das englische und holländische Vordringen in der Ostsee,
doch Lübeck besann sich ausschließlich auf die Reorganisation der
eigenen inneren Verhältnisse.
- der wendisch - dänische Krieg und seine
Folgen
Mit der Niederlage des Deutschen Ordens bei
Tannenberg 1410 gewannen die preußisch und livländischen Städte
ein großes Stück an Selbständigkeit. Sie knüpften auch
gleich Handelsbeziehungen nach Holland, doch dazu später. 1412 stirbt
Margarete von Dänemark, Nachfolger wird ihr Großneffe Erich von
Pommern. Er versucht sogleich, das Herzogtum Holstein in sein Reich
einzugliedern, und bittet die Hanse um Hilfe. Diese ist aber nicht interessiert
an dänischem Land vor ihrer Haustür. Erich ist empört. Ab 1426
soll die Hanse wieder Zoll für den Sund zahlen. Das läßt sie
sich nicht gefallen und erklärt Erich den Krieg. Allerdings ziehen nur die
wendischen Städte in den Krieg, da die anderen Drittel und die
sächsischen Städte behaupten, andere Probleme zu erledigen zu haben.
1430 haben Rostock und Wismar auch noch genug, und schließen einen
Separatfrieden mit Erich. Lübeck allein macht jedoch weiter - mit Erfolg.
1435 schließt es Frieden mit Dänemark. Die alten Privilegien werden
wiederhergestellt, doch die Sundzölle werden nur für die wendischen
Städte abgebaut. Doch Nutznießer des Krieges waren die
Holländer. Sie durchbrachen des öfteren die Blockade, führten mit
Dänemark und den livländischen Städten Handel, und genau das
erbost die Hanse, denn ihre eigenen Mitglieder treiben Handel zum Eigenwohl,
nicht zum Wohl der Hanse. Auch ein zeitweiliger Boykott holländischer
Waren, insbesondere des Tuches, bringt keinen Erfolg, da der Boykott umgangen
wird, wo möglich.
- der Brügger Kontor
Brügge bereitete insofern Probleme,
als daß das Fahrwasser zum Hafen seit dem Ende des 14. Jahrhunderts mehr
und mehr versandete. Folge war die Auswanderung zahlreicher Kaufleute nach
Holland, auch liefen nicht mehr so viele Schiffe Brügge an, da es manchem
Kapitän zu riskant war. Doch die Hanse verhängte das
Zwangsstapelrecht, was bedeutet, daß alle Waren den Brügger Kontor
durchlaufen zu hatten, bevor sie nach Osten weiter verkauft wurden. Doch
zahlreiche Hansestädte umgingen diese Maßnahme, erneute Anzeichen
für den inneren Zerfall der Hanse. Dies zeigte sich auch, als die Hanse den
Brügger Kontor 1455 wieder einmal verlegen wollte. Der Deutsche Orden
weigerte sich, seine Kaufleute nach dem Bestimmungsrecht umziehen zu lassen.
Auch andere Hansestädte boykottierten die Entscheidung des Hansetages. Ein
weiterer Beweis für die mangelnde Solidarität der Hansestädte
untereinander. Zudem ist klar, das Brügge seine wirtschaftliche
Blütezeit längst hinter sich hat, doch die Hanse, insbesondere
Lübeck hält an ihr fest.
- Streitereien mit
England
Wann immer es Streitigkeiten mit England
gab, fanden diese auf dem Wasser statt, denn die Hanse besaß kein
Territorium, auf dem man sich hätte schlagen können. Auch eine
Invasion Englands ist abwegig. Sie wäre viel zu kostspielig, außerdem
hätte die Hanse kaum genug Männer zusammenbekommen.“ Krieg
heißt Kaperkrieg“. 1431 flüchtet die Stalhofbesatzung nach
Brügge, da sie nach erneuten Steuererhöhungen fürchtete, es
könnte zum Krieg kommen. Es gab Repressalien hüben wie drüben;
man beschlagnahmte Waren und warf Kaufleute ins Gefängnis. Doch die Hanse
war in Englandfragen geteilter Meinung. Die preußischen und
livländischen Städte befürworteten eine milde Englandpolitik, da
ihnen die merchant adventures genug Gewinne brachten. Die wendischen Städte
dagegen waren für die harte Gangart. Der Anlaß für den 1470
ausbrechenden Krieg war die Kaperung von sieben englischen Schiffen durch
Dänemark, da die Dänen ihr Handelsmonopol auf Island durch britische
Aktivitäten verletzt sahen. England nahm an, das es im Auftrag der Hanse
geschah. Der englische Mob geht daraufhin gegen den Stalhof vor. Köln,
traditionell eh probritisch und Kritiker der Hansepolitik gegenüber
England, da es seine historischen guten Beziehungen zu England gefährdet
sah, sagt sich von der Hanse los und besetzt den Stalhof. Köln gründet
zudem seine eigene Kaufmannsgenossenschaft. Der englische König war
fasziniert und gestand Köln Sonderprivilegien auf der Insel zu. Im Jahre
1471 wurde die Verhansung Kölns beschlossen. Doch langsam zeigte das
Handelsverbot mit englischen Waren Wirkung. Die Tuchmacher blieben auf ihren
Produkten sitzen. Der König mußte nachgeben. 1474 wurde zu Utrecht
der Friede besiegelt. Wie üblich mußte man die hansischen Privilegien
bestätigen und eine Geldstrafe zahlen. Bleibt noch der Ausreiser Köln.
1476 nahm Köln wieder am Hansetag in Bremen teil, mußte jedoch eine
Geldbuße zahlen, zudem wurde seinen Kaufleuten der Zutritt zum Stalhof bis
1478 verwehrt. Insgesamt muß man sagen, daß die Hanse aus diesem
Konflikt als Sieger hervorging, sicherlich auch, weil England genug eigene
Probleme hatte( von 1455 bis 1485 herrschte in England der Rosenkrieg um den
englischen Thron zwischen dem Haus Lancaster und dem Haus York; Sieger wurde
schließlich Tudor, da die anderen beiden Häuser keine Thronfolger
mehr stellen können). Die Hanse zeigte sich als Gemeinschaft, die
geschlossen Interessen vertrat und auch durchsetzte, was ja zuvor in Brügge
nicht der Fall war.
- Das Ende von
Nowgorod
Als der Deutsche Orden nach dem Frieden von
Thorn 1411 nach und nach zerfiel, wurde sein Territorium polnisches oder
litauisches Lehen. Lübecks Einfluß auf den Peterhof war seit 1422
gegen null gesunken, es waren Dorpat und die livländischen Städte, die
um seinen Vorsitz rangen. Im gesamten 15. Jahrhundert gab es immer wieder
Übergriffe von Russen gegen Deutsche und umgekehrt; das der Handel darunter
litt, war klar. „ Die Krise war zum Normalzustand geworden“. 1471
ging der Moskauer Großfürst, Iwan III., das erste Mal
militärisch gegen Nowgorod vor. Die Stadt unterlag 1478 und verlor ihre
Freiheit. Als 1494 russische Kaufleute in Livland ermordet wurden, war das der
Anlaß, die deutschen Kaufleute aus Nowgorod zu verbannen und den Peterhof
zu zerstören. Damit endete ein Kapitel von 300 Jahren hansischen Handelns
in Nowgorod. Die Hanse beginnt an Territorium zu verlieren.
- Der Niedergang der
Hanse
Die Gründe für den Niedergang der
Hanse sind vielfältiger Art. Einige Fürsten verboten ihren
Städten einfach Mitglied der Hanse zu sein, so u.a. Kurfürst Friedrich
II. von Brandenburg, der Berlin - Cölln 1442 zum Austritt zwang. Eine
verstärkte Zentralgewalt war überall festzustellen. Man steuerte auf
den Absolutismus zu. Außerdem verlor die Hanse in mehreren Ländern
seit dem 15. Jahrhundert nach und nach ihre Privilegien, da die Herrscher dort
nicht mehr auf die Hanse angewiesen waren, sondern genauso gut mit Holland oder
England Handel treiben konnten. Lübeck war eine Stadt, deren Handel
insbesondere nach Osten und Skandinavien hin ausgerichtet war. Nowgorod und die
baltisch - livländischen Städte fielen aber als Handelspartner nach
der Eroberung durch das russische bzw. schwedische Reich aus. Sowohl Schweden
als auch Norwegen und Dänemark boten sich als Handelspartner nun neben der
Hanse auch Holland und England an, die ihrerseits keine besonderen Privilegien
forderten wie die Hanse. Man merkte bald, daß man die Hanse nicht mehr
protegieren mußte. Konkurrenz bekam man ebenso aus dem süddeutschen
Raum. Hier hatten die Fugger und Welser ein Handelsimperium errichtet. So kam
es, daß die Hanse nach und nach ihre Privilegien verlor, in Schweden 1537,
in Dänemark 1596 und in England 1606. Auch die Reformation trug nicht zum
Zusammenhalt der Hanse bei, denn einige Städte wurden protestantisch,
andere blieben katholisch. Dies zeigte sich besonders im Schmalkaldischen Krieg
1547, als die Hansestädte auf Seiten Kaisers Karl IV. waren oder gegen ihn
kämpften. Weiterhin zersetzend wirkte sich die Verlagerung der
Laichplätze hinaus in die Nordsee aus, war doch der Hering ein Warengut,
welches von Lübeck in großen Mengen gehandelt wurde. Auch die Kogge
war nicht mehr das beste Schiff auf den Meeren, die von der Hanse bis ins 15.
Jahrhundert nur mit dem Lot gesteuert wurde. Die Holländer waren nun
führend im Schiffbau. Der Niedergang der Hanse war erstaunlicher weise in
einen allgemeinen Wirtschaftsboom gebettet. Es gab auch Hansestädte, die
hohe Profite machten, wie Hamburg, dessen Einwohnerzahl von 1600 bis 1620 von
35000 auf 50000 anstieg, ein Zeichen des Wohlstandes. Doch die Hanse
interessierte ihre Mitglieder nicht mehr sehr, da sie ihnen keine Vorteile mehr
brachten. Nur Lübeck machte da eine Ausnahme. Man startete sogar
Restaurationsversuche, man richtete eine Bundeskasse, wobei nur Lübeck und
Hamburg Zahlungsmoral bewiesen, ein, um dem chronischen Geldmangel ein Ende zu
bereiten, doch der Zerfall war nicht mehr aufzuhalten, da jeder sein eigenes
Ding machte, oder nicht mehr aktiv an Hansetagen teilnehmen konnte, wie die
livländischen Städte. Die endgültige Ohnmacht wurde mit dem
Westfälischen Frieden deutlich. Schweden beherrschte fast die gesamte
Ostseeküste, womit es den Handel der Hanse kontrollierte. Beim großen
Brand in London 1666 wurde der Stalhofes zerstört, so daß man sich
beratschlagen mußte, wie es weitergeht. Im Jahr 1669 traf man sich dann
zum letzten Hansetag in Lübeck. Es kamen neun Delegierte an. Ein Ergebnis
gab es nicht. Die Hanse war friedlich eingeschlafen.
|