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Der Untergang der Titanic
ANFANGSBILD
Es sollte das größte, schönste und schnellste Schiff der Welt
werden, das jemals die Meere befahren hatte. Im Jahre 1912 wurde das Luxusschiff
Titanic, "Die Königin der Meere" ,nach mehrjähriger Bauzeit
fertiggestellt . Das stolze Schiff war 269 Meter lang und 11 Stockwerke hoch,
es hatte vier gelbe Schornsteine, der Rumpf war schwarz, die Aufbauten waren
weiß.
BILD (LEXIKON)
Der Anker allein war mehr als 15 Tonnen schwer und mußte von 20 Pferden
in die Werft gezogen werden. Aber was am Wichtigsten war: Das Schiff galt als
unsinkbar. An verschwenderischen Luxus war nicht gespart worden. Vorbild der
Ausstattung war das französische Prunkschloss Versailles. Es gab vergoldete
Kronleuchter, schmiedeeiserne und vergoldete Balustraden, eine große Glaskuppel
über dem Treppenhaus, einen Palmenhof, ein türkisches Bad, Schwimmbäder,
einen Gymnastiksaal, einen Frisiersalon, eine Krankenstation, mehrere Aufzüge,
viele wertvolle Gemälde. In den Genuss dieses Luxus kamen aber nur die
Passagiere der 1. Klasse, also Leute, die es sich leisten konnten für die
Reise ein Vermögen auszugeben. Für die anderen Fahrgäste, vorallem
aber für die Passagiere im sogenannten Zwischendeck, gab es all die Pracht
nicht. Mit den Reisenden der 1. Klasse durften die Benützer der Kabinen
in der 2. Klasse und im Zwischendeck gar nicht in Kontakt kommen. Am 10. April
1912 lief die Titanic zu ihrer ersten Fahrt von Southampton in England nach
New York in Amerika aus.
BILD (LEXIKON)
Für die Titanic war der Hafen von New York extra umgebaut worden. Kapitän
des Schiffes war der 59jähre Edward Smith, er fuhr seit 25 Jahren als Kapitän
auf Schiffen der "White- Star"- Linie. Die Jungfernfahrt der Titanic
sollte seine letzte Fahrt vor der Pensionierung sein. An Bord der Titanic befanden
sich 2233 Personen, davon waren 1334 Passagiere und 899 Angehörige der
Besatzung. An der Südküste Irlands stiegen die letzten Fahrgäste
zu. In 5 Tagen sollte der Atlantik überquert werden, das hatte noch kein
Schiff in so kurzer Zeit geschafft. Als sich die Titanic Neufundland näherte,
erhöhte man das Tempo auf 20 Knoten, das sind fast 40 Kilometer / Stunde,
denn ein anderes Schiff - die Olympik- überquerte ebenfalls den atlantischen
Ozean und die Titanic sollte um jeden Preis schneller sein. Am Sonntag, dem
14. April, mittags erhielten die Funker Jack Phillips und Harold Bride über
ihre Radiostation Eiswarnungen von anderen Schiffen. Funken hieß damals
nicht sprechen, sowie heute, sondern morsen, das war ein System, bei dem Buchstaben
und Ziffern durch Punkte und Striche dargestellt wurden, im Kopfhörer als
kurze und lange Pfeiftöne zu vernehmen. Weitere Eiswarnungen trafen am
Nachmittag ein. Noch am Abend um 22 Uhr funkte das Schiff "California",
das nur etwa 34 Kilometer entfernt war und das wegen der Eisberge gestoppt hatte:
"Wir liegen fest und sind von Eis umgeben."Die Warnung wurde von den
Funkern der Titanic nicht so ernst genommen und nicht sofort weitergegeben.
Weil er keine Antwort mehr erhielt, schaltete der Funkerkollege auf der "
California" um 22: 30 Uhr, als sein Dienst zu Ende war, sein Gerät
ab und legte sich schlafen.Es war eine eiskalte und mondlose Nacht, diese fünfte
Nacht auf See. Um 22:00 Uhr übernahm der ersteOffizier, William Murdoch,
die Wache auf der Kommandobrücke der Titanic. Am vorderen Mast des Schiffes
befand sich in luftiger Höhe ein Beobachtungsstand, das sogenannte "Krähennest".
Ein Matrose beobachtete von dort aus das Meer. Radar kannte man noch nicht.
Daher war man darauf angewiesen, was der Mensch sah. Um 23:40 Uhr schlug der
Matrose im "Krähennest" als Arlarmzeichen dreimal die Schiffsglocke
an, griff zum Telefon und meldete an die Kommandobrücke: „Eisberg
voraus!" Der erste Offizier befahl: "Ruder hart backboard"-also
nach links- "Maschinen volle Kraft zurück!" Eine halbe Minute
lang herrschte atemlose Spannung. Der Eisberg war auf der rechten Seite, als
die Titanic vorbeizog. Plötzlich gab es ein unheimliches, knirschendes
Geräusch, Eisblöcke stürzten auf das Deck. Passagiere und Besatzung
spürten nur einen leichten Stoß.
BILD (KLEINES BUCH)
Im Kesselraum aber stürzte einen halben Meter über dem Boden ein Wasserschwall
durch die rechte Seitenwand herein. In wenigen Minuten stand das Wasser in einigen
Abteilungen meterhoch: Die Bordwand war auf einer Länge von 60 Metern aufgerissen,
aufgeschlitzt vom Eisberg.
BILD (BLAUES BUCH)
Das heimtückische an einem Eisberg ist nämlich, dass nur ein Sechstel
über dem Wasser zu sehen ist, alles übrige liegt unter der Wasseroberfläche.
Im Rumpf des Schiffes gab es 16 wasserdichte Abteilungen. Durch schwere Stahltürten,
Schotten genannt, konnte man sie von der Brücke aus per Knopfdruck verschließen.
Vier beschädigte Abteilungen hätte die Titanic noch ausgehalten, fünf
jedoch nicht. Das Kommando " Schotten dicht!" half nicht mehr, die
Titanic war zum Untergang verurteilt. Die Passagiere hatten von der Katastrophe
noch keine Ahnung. Ein paar Leute, die sich auf Deck befanden, bewarfen einander
übermütig mit Eisbrocken. Sonst war es vollkommen still. Viele Offiziere
schliefen bereits. In den Salons herrschte fröhliches Leben. Eine ausgezeichnete
Kapelle spielte Walzermelodien, Herren im Smoking und Damen im langen Abendkleid,
umhüllt von edlen Pelzen und behangen mit kostbarem Schmuck, tanzten vergnügt
zu den rhythmischen Klängen. Viele hatten zwar einen leichten Stoß
verspürt, maßen dem Vorfall jedoch keine Bedeutung bei. Der erste
Offizier aber hatte dem Kaptän die Schreckensmeldung überbracht, und
dieser erkannte den Ernst der Lage sofort. " Wir müssen alle Passagiere
an Deck bekommen" , befahl er seinen Leuten. Das war aber gar nicht so
einfach. Niemand wollte aus den eleganten Salons oder den warmen Kabinen hinaus
auf das finstere eiskalte Deck. Und alle glaubten fest: " Die Titanic kann
nicht sinken!" Endlich gelang es der Besatzung doch, mehrere Leute zu überzeugen.
Sie zogen Schwimmwesten aus Kork über und begaben sich an Deck.Einige von
ihnen waren im Pyjama, manche Damen im Abendkleid, viele hatten keine Schuhe
an. An einen warmen Mantel oder Pullover hatte kaum jemand gedacht. Niemand
war mit den Rettungseinrichtungen vertraut, da keine Übung stattgefunden
hatte. Kurz nach Mitternacht wurden die ersten Rettungsboote zu Wasser gelassen.
Sie waren jedoch halbleer, da die meisten Passagiere zögerten.Um die Passagiere
zu beruhigen, spielte die Kapelle weiter ihre flotten Weisen. Erst eine Stunde
nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg wurden von der Kommandobrücke
Raketen abgefeuert. Auf dem Schiff "California " wurde der Lichtschein
zwar gesehen, man glaubte aber, auf der Titanic würde ein Bordfest abgehalten.Als
die Passagiere der Titanic den Ernst der Lage endlich erkannt hatten, drängten
alle in die Rettungsboote.
Bild (Rettungsboote)
Der Kapitän musste den Befehl geben: " Frauen und Kinder zuerst !"
Es gab herzzerreißende Szenen, Frauen wollten sich von ihren Männern
nicht trennen. Viele hatten auch Angst , in die Boote zu springen, sie mussten
von der Mannschaft hineingeschubst werden. Die Schiffskapelle beendete ihre
Darbietung mit dem Choral " Näher mein Gott zu dir ". Keiner
der Musiker versuchte in ein Rettungsboot zu gelangen.Keiner von ihnen überlebte.Kurz
nach Mitternacht hatte der Kaptän den Funkern befohlen, den internationalen
Notruf SOS ("Save our Souls " ) zu senden und den genauen Standort
des Schiffes durchzugeben.
BILD VON PHILLIPS (LEXIKON)
Philipps funkte verzweifelt den Notruf in die Nacht, solange, bis das Wasser
seine Füße umspülte. Auch er war später unter den Todesopfern,
während sein Kollege Bride überlebte.Zwei Schiffe, die "Carpathia"
und die " Frankfurt " , boten Hilfe an. Sie waren aber mehr als 100
Kilometer entfernt und konnten erst nach vier Stunden am Unglücksort eintreffen.
Der Funker des in der Nähe befindlichen Dampfers "California "
aber schlief. Erst nach fünf Uhr schaltete er sein Gerät wieder ein
und erfuhr von dem Unglück. Hunderte hätten gerettet werden können,
wäre das Schiff noch in der Nacht zur Unglücksstelle gekommen.Inzwischen
waren alle Rettungsboote zu Wasser gelassen worden, doch es stellte sich heraus,
dass nur für 1178 Menschen Platz vorhanden war, auf der Titanic aber befanden
sich fast doppelt so viele. Das erklärt, warum nur 706 Überlebende
geborgen werden konnten, 1517 Menschen aber den Tod fanden. Besonders schwer
traf es die Passagiere der 2. Klasse und des Zwischendecks. Nur ein Viertel
von ihnen wurde gerettet.Um 2:20 Uhr ging die Titanic unter. Die an Deck verbleibenden
Menschen konnte sich wegen der Schräglage des Schiffes nicht mehr halten,
sie wurden entweder von Schiffstrümmern erschlagen oder rutschten ins Meer.
Für alle, die in den Rettungsbooten keinen Platz gefunden hatten, gab es
keine Chance. Sie erfroren binnen weniger Minuten im eiskalten Wasser. Das Schiff
" Carpathia ", das den SOS- Notruf vernommen hatte, brauste mit voller
Kraft zur Unglücksstelle. Um 3:30 Uhr sahen die Schiffbrüchigen die
ersten Raketen der "Carpthia " , um 4:00 Uhr war das Schiff zur Stelle
und nahm die Menschen aus den Rettungsbooten auf. Die "California "
traf erst bei Tageseinbruch ein. Sie nahm um 8:30 Uhr das letzte Rettungsboot
der Titanic an Bord. Alle Überlebenden trafen am 16. April in New York
ein.Als Folge der Katastrophe der Titanic wurden zukünftig alle Eiswarnungen
sofort an die Kommandobrücke weitergegeben. 1914 wurde ein internationaler
Eiswarndienst im Nordatlantik eingeführt. Seither ist kein Mensch mehr
durch einen Eisberg ums Leben gekommen.Alle Schiffe mit mehr als 50 Personen
wurden verpflichtet, ihren Funkdienst rund um die Uhr aufrecht zu erhalten.
Rettungsübungen mit den Passagieren wurden verbindlich vorgeschrieben.
Vor allem aber wurde den Schiffsbauern zur Pflicht gemacht, weit mehr Rettungsboote
vorzusehen, als für sämtliche Menschen an Bord erforderlich wären.Eine
Katastrophe, wie es der Untergang der "Titanic" war, sollte es in
Friedenzeiten nie mehr geben. Nie wieder sollte auch ein Schiff auf den Namen
"Titanic" getauft werden.
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