Zur Weltwirtschaft gehören sämtliche internationalen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den auf den internationalen Geld-, Kapital- und Warenmärkten operierenden Volkswirtschaften. Die Wirtschaft eines jeden Landes ist heute eingespannt in das Netzwerk der globalen Wirtschaft. Internationale Verbindungen zwischen den Volkswirtschaften bestehen schon seit vielen Jahrhunderten. Doch hat die Vernetzung der Wirtschaft in unserem Jahrhundert ein beispielloses Niveau erreicht (Globalisierung der Volkswirtschaft). Produktion, Konsumtion, Distribution, Investitionen und Finanzen etc. werden heute in einem weltumspannenden Netzwerk organisiert. Das bedeutet für die nationalen Institutionen, dass sie viel weniger Einfluss auf die Wirtschaftsvorgänge haben, als man gemeinhin annimmt. Die Regierungen einzelner Staaten verfügen nur über einen verhältnismäßig geringen Spielraum, etwa mit Hilfe der Geldpolitik oder der Steuerpolitik, das Beschäftigungsniveau aktiv zu beeinflussen oder die Zahlungsbilanz auszugleichen. Stattdessen müssen sie mit anderen Regierungen zusammenarbeiten, beziehungsweise Länder mit schwacher Wirtschaft müssen sich den weltwirtschaftlichen Gegebenheiten unterordnen. Bestenfalls globale Institutionen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) können in begrenztem Umfang noch Einfluss auf die Entwicklung der Weltwirtschaft nehmen. An die Stelle nationaler Unternehmen treten zunehmend multinationale Konzerne. Das nationale Bankgewerbe wird ebenfalls von multinationalen Finanzhäusern beherrscht, die an den internationalen Finanzmärkten tätig sind. Das System von Abkommen, Vorschriften und Gesetzen, das die ökonomischen Abläufe im internationalen Wirtschaftsverkehr regelt, bezeichnet man als Weltwirtschaftsordnung. Diese teilt sich wiederum in die Welthandelsordnung und die Weltwährungsordnung auf.
Handel
Der Handel eines Landes wird gemessen an Einfuhren und Ausfuhren von Gütern und Dienstleistungen. Dass die Südfrüchte, die wir essen, aus Südamerika oder Afrika kommen, die Videokassette aus den Vereinigten Staaten oder das Auto aus Japan, ist für uns heute selbstverständlich geworden. Doch das war nicht immer so. Warenhandel zwischen den Völkern gab es zwar bereits in der Antike, doch die moderne Außenwirtschaft begann erst im späten 18. Jahrhundert. Vor allem die industrielle Revolution, die zu dieser Zeit von England aus ihren Siegeszug über den europäischen Kontinent ansetzte, ermöglichte das Anwachsen des internationalen Handels sowie ein Wachstum der Weltproduktion und des Einkommens. Dies führte zu der weit verbreiteten Ansicht, der internationale Handel sei der "Motor des Wirtschaftswachstums". England, das über die größte Handelsflotte und die bedeutendste Börse der Welt verfügte, stieg im 19. Jahrhundert zur bedeutendsten Kolonialmacht auf. Die Ausweitung der Industrialisierung und des Welthandels sorgte innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften nicht allein zu ständigem Wachstum. Im Auf und Ab der modernen Konjunkturzyklen führte ein starker Strukturwandel des Öfteren zu konjunkturell bedingten Depressionen. In der ganzen kapitalistischen Welt sanken beispielsweise Produktionsausstoß und Einkommen während der großen Weltwirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre im Rahmen eines Zusammenbruchs des internationalen Handels rapide. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1945 erlebten die Staaten Europas, Nordamerikas und einiger asiatischer Länder ein äußerst schnelles Wirtschaftswachstum, das von hohen Wachstumsraten im internationalen Handel begleitet war. Tatsächlich ist der Handel schneller gewachsen als der Produktionsausstoß, besonders seit 1983, so dass der Anteil der Güter und Dienstleistungen, die exportiert werden, in den einzelnen Ländern stetig zunahm. Grund für diese Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg war eine erneute Liberalisierung des Welthandels. Schon 1947 unterzeichneten 23 Staaten das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade; GATT). Im Rahmen dieses Abkommens beteiligten sich Länder an Verhandlungen zum Abbau von Zollschranken und anderen Handelshemmnissen. Die Verhandlungsrunde, die 1986 begann, die so genannte Uruguay-Runde, wurde 1993 abgeschlossen. Die Vereinbarungen traten 1995 in Kraft. Beschlossen wurde u. a. die Schaffung der Welthandelsorganisation (WTO), die die Regeln des Welthandels überwachen soll. Im Anschluss an die Verabschiedung dieser neuen Ordnung stieg der Welthandel 1994 um zwölf Prozent. Innerhalb der Europäischen Union (EU) besteht bereits seit 1977 eine uneingeschränkte Zolltarifunion.
Ein grundlegendes Merkmal des Welthandels ist, dass sich Länder auf die Herstellung unterschiedlicher Güter und Dienstleistungen spezialisieren. Sie exportieren jene Güter, auf welche sie sich spezialisiert haben und importieren, was andere Länder besser und günstiger herstellen können. Die Freihandelsidee, welche die Grundvoraussetzung für den internationalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen bildet, nahm ebenfalls im 18. Jahrhundert in England ihren Ausgang. Zu den berühmtesten Vertretern des klassischen Wirtschaftsliberalismus zählen Adam Smith, John Stuart Mill und David Ricardo. Als Erklärung für die Notwendigkeit und Vorteilhaftigkeit eines internationalen Handels dient die Theorie der komparativen Kostenunterschiede, die erstmals David Ricardo formulierte. Sie besagt, dass internationale Arbeitsteilung ökonomisch vorteilhaft ist, wenn zwischen zwei Ländern Kostenunterschiede bestehen – selbst dann, wenn eines der Länder alle Produkte billiger erzeugen kann. Grund dafür ist, dass Länder sich auf die Herstellung solcher Güter und Dienstleistungen spezialisieren, bei denen ihre komperativen Kostenvorteile am größten sind. Die Gründe dafür, warum Güter von Land zu Land zu unterschiedlichen Kosten hergestellt werden können, sind zum einen die unterschiedlichen Preise, die für die Bereitstellung der Produktionsfaktoren (d. h. variierende Löhne, Zinsen, Mieten etc.) gezahlt werden müssen, zum anderen die differierende Qualität der Produktionsfaktoren Boden (z. B. Bodenschätze), Arbeit (z. B. Bildungs- und Ausbildungsniveau) und Kapital (z. B. Betriebsausstattung, technische Innovation). Bei der Theorie des komparativen Kostenvorteils wird argumentiert, dass Länder im Allgemeinen durch Spezialisierung und Handel ihre Position auf dem internationalen Markt verbessern.
Die Dynamik des Handels ist ein wichtiges Element des Wirtschaftswachstums; die neue Wachstumstheorie der achtziger Jahre, betont die Bedeutung industrieller Innovation für das Wachstum und zeigt, wie deren Auswirkungen durch den internationalen Handel noch vergrößert werden können.
Bemerkenswert ist die Entwicklung der Volkswirtschaften Ost- und Südostasiens, die seit den siebziger Jahren ein enormes Exportwachstum für Fertigprodukte aufweisen. Das Exportvolumen Japans und der neuen industrialisierten Länder im asiatisch-pazifischen Raum belief sich 1992 auf rund 13 Prozent des Welthandelsvolumens, womit sich der Anteil dieser Staaten seit 1980 fast verdoppelt hat. Die vier kleinen Tiger (Taiwan, Südkorea, Singapur und Hongkong) sowie die aufstrebenden Volkswirtschaften Chinas, Thailands, Malaysias und Vietnams werden oft als die in Zukunft entscheidenden Schauplätze der Weltwirtschaft gesehen.
Der Freihandel und die internationale Arbeitsteilung, wie sie heute herrschen, bergen jedoch auch Risiken. So kann beispielsweise die Spezialisierung auf bestimmte Güter, die Sicherheit der Versorgung und damit die Autarkie eines Landes gefährden (ein beliebtes politisches Argument zur Rechtfertigung von protektionistischen Maßnahmen). Außerdem nimmt mit wachsender Spezialisierung auf bestimmte Güter– so z. B. in vielen Ländern der 3. Welt– die Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen zu. Die Gefährdung von Arbeitsplätzen in Industrieländern wie der Bundesrepublik Deutschland, die – im Gegensatz zu Billiglohnländern – über ein hohes Lohnniveau verfügen, gilt als ein weiteres, gerade heute viel diskutiertes Problem der wachsenden wirtschaftlichen Globalisierung. Das Gesamtvolumen des Welthandels betrug 1995 etwa 50 Billionen DM.
Produktion
Nicht nur der Handel, auch die Produktion unterliegt dem Prozess der Globalisierung. Große Firmen planen ihren Produktionsprozess heute so, dass jeder spezielle Teilprozess des gesamten Fertigungsprozesses in einem Land ausgeführt wird, in dem die Bedingungen für diese Art von Arbeit besonders günstig sind.
Dieses Konzept der weltweiten Quellenbeschaffung hat seit den siebziger Jahren das weltweite System der Produktion grundliegend verändert. Da multinationale Konzerne ihre Produkte international fertigen, weltweit verkaufen und Finanzmittel international investieren und beschaffen, ist die Weltwirtschaft zu ihrem eigentlichen Wirtschaftsstandort geworden.
Multinationale Konzerne, die Produktionsstätten im Ausland besitzen, gibt es bereits seit langer Zeit; im 19. Jahrhundert (und erneut in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) erfolgten eine Vielzahl direkter Auslandsinvestitionen durch europäische und amerikanische Firmen. Das besondere Merkmal multinationaler Konzerne seit den siebziger Jahren ist jedoch ihre weltweite Quellenbeschaffung, d. h., sie betreiben nicht einfach eine Fabrik im Ausland, sondern gliedern diese in den global organisierten Produktionsprozess ein.
Finanzen
Mit dem Ziel, eine neue Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage einer internationalen Arbeitsteilung zu etablieren, trafen sich bereits 1944 in Bretton Woods (bei New York) Vertreter aus 44 Staaten und gründeten dort den IWF und die Weltbank. Die besonderen Kennzeichen des so genannten Bretton Woods-Systems sind der Gold-Devisen-Standard (d. h. Gold und Devisen gelten nebeneinander als internationales Zahlungsmittel), freie Konvertibilität, feste Wechselkurse mit geringen Bandbreiten sowie die Gewährung von Krediten bei Zahlungsbilanzdefiziten einzelner Mitgliedsstaaten. Das Währungssystem von Bretton Woods brach bereits in den siebziger Jahren weitgehend zusammen. Der IWF und die Weltbank spielen heute vor allem bei der Entschärfung der internationalen Schuldenkrise eine wichtige Rolle.
Die einfachste Form internationaler Finanzgeschäfte, der Verkauf von Devisen, wird auf einen Wert von einer Billion US-Dollar täglich geschätzt. Das ist erheblich mehr als an Devisentransaktionen aus In- und Export umgesetzt wird. Die Mehrzahl der Transaktionen erfolgt durch Banken, Wirtschaftsunternehmen und Einzelpersonen, die finanzielle Vermögenswerte aus der Währung eines Landes in eine andere umtauschen, und damit auf Bewegungen bei den aktuellen oder erwarteten Zinssätzen reagieren, die sie für verschiedene Währungen und deren Wechselkurse erzielen können. Die meisten dieser Transaktionen sind so genannte Arbitragen, bei denen Händler große Geldsummen von einem Finanzzentrum ins andere bewegen, um die Unterschiede bei den Preisen (oder Zinssätzen) auszunutzen.
Beim Wechsel zwischen Währungen kaufen und verkaufen Investoren sowohl Bankeinlagen, Schatzwechsel als auch andere kurzfristige Wertpapiere, Schuldscheine und Beteiligungen in verschiedenen Ländern, aber auch nichtfinanzielle Vermögenswerte wie Immobilien. Deshalb werden die Zinssätze oder die Preise für Wertpapiere, Schuldscheine und Beteiligungen in einem Land durch die Zinssätze und Finanzkurse anderer Länder beeinflusst.
Die Hauptmärkte, durch die die Finanzströme fließen, sind in den neunziger Jahren weitgehend von staatlichen Beschränkungen auf internationale Kapitalbewegungen befreit worden. In den siebziger Jahren, als noch viele Beschränkungen galten, wuchs bereits ein freier internationaler Markt heran, und zwar für Eurodollar-Bankeinlagen und Schuldverschreibungen (notiert in Dollar, aber in Depots außerhalb der Vereinigten Staaten) sowie andere europäische Währungen.
Die Schaffung eines Weltfinanzmarktes seit den frühen siebziger Jahren ging einher mit zunehmender Unbeständigkeit der Wechselkurse, Zinssätze und Preise für Finanzvermögen. In einigen Fällen spiegelten sich extreme Schwankungen in einem Finanzzentrum auch in anderen Finanzzentren wider, was die weltweite Vernetzung der Finanzmärkte deutlich macht. Der Schwarze Montag, der Crash an der New Yorker Aktienbörse im Oktober 1987, fand sein Echo an allen Aktienmärkten der Welt, ebenso wie in kleinerem Ausmaß der Kursverfall am mexikanischen Aktienmarkt zu Beginn des Jahres 1995, der zu fallenden Kursen auf den Märkten vor allem in Lateinamerika und Asien führte.
Bei der Entwicklung des modernen internationalen Finanzmarktes entstanden auch neue Arten von Verträgen, die ihrerseits ebenfalls international gehandelt wurden. Märkte für solche Optionsgeschäfte verbinden den Preis für die Option oder andere Derivate (Finanzwerte, die von anderen Vermögenswerten abgeleitet, auf einem parallelen Markt gehandelt werden) mit dem Preis der zugrunde liegenden Vermögenswerte. Diese Vermögenswerte können aus Devisen bestehen oder aus kurzfristigen Krediten, Schuldscheinen, Kapitalanteilen oder Waren. Der Umfang des Handels mit Derivaten kann die Preise des zugrunde liegenden Vermögenswertes beeinflussen. Derivate ermöglichen dem Investor eine Verminderung des Risikos, das er aufgrund der Flüchtigkeit des Marktes eingehen muss, aber sie gestatten ihm auch, unter hohen Risiken außergewöhnliche Gewinne zu realisieren. Die neuen Finanzinstrumente haben Befürchtungen genährt, durch sie könnten die Risiken des internationalen Finanzsystems insgesamt steigen. Ein Beispiel für die Risiken des Derivatenhandels ist der Zusammenbruch der Londonder Barings-Bank 1995.
Christoph Barth